Was ist Fast Fashion?

Das Einkaufen für neue Kleidung geschah früher viel seltener als heute. Und es gab immer einen wesentlichen Grund für Neuanschaffungen. Sei es ein nicht zu reparierender Schaden oder weil man aus dem bisherigen perfekt sitzenden Pullover rausgewachsen ist. Diese Erzählungen kennen wir von unseren Eltern und Grosseltern.

Vor etwa 20 Jahren gab es eine einschneidende Kehrtwende, denn die Modeindustrie führte das Konzept von Fast Fashion ein.


Was bedeutet Fast Fashion?

Fast Fashion steht für “schnelle Mode” oder anders ausgedrückt, mehr Kollektionen in kürzeren Zeitabständen auf den Markt zu bringen.

Die konventionelle Modeindustrie lebt von Trends. Von hoch angesehenen Designern auf den Laufstegen inspiriert, werden Trends in Eile imitiert und auf den zugänglichen Markt für die Allgemeinheit gebracht. Mit schier unvorstellbarem Tempo werden neue Designs erarbeitet, passende Textilien gesucht und Kleidungsstücke produziert. Zara produziert 24 Kollektionen pro Jahr, was vom Design bis zur Kleiderstange grob gerechnet zwei Wochen bedeutet. H&M bringt jährlich 12-16 komplett neue Kollektionen in die Läden und überarbeitet sie wöchentlich. (McKinsey & Company, 2016).  

Möglichst viel Ware in kurzer Zeit ist das Ziel, unter welchen Bedingungen die Teile hergestellt werden, ist dabei sekundär. 


Wieso ist Fast Fashion ein Problem?

Da das klare Ziel die Masse ist, wird das “Wie” unweigerlich vernachlässigt. Gefährliche Arbeitsbedingungen, Misshandlungen, unvorstellbare Lebensumstände und ein Hungerlohn bis Zwangsarbeit sind die Folge. Für einen Einblick in die Leben der Arbeiter*innen vor Ort ist die Dokumentation "The True Cost" sehr zu empfehlen. Neben den unmenschlichen Bedingungen ist die ungeheuerliche Umweltbelastung, die aus diesem riesigen Konstrukt entsteht, nicht zu vergessen.


4-10% der globalen Treibhausgasemissionen waren im Jahr 2018 auf die Modeindustrie zurückzuführen. Das bedeutet im Mindesten dasselbe Ausmass, wie alle Emissionen der Flugtransporte und darüber hinaus ein Teil aller Transporte auf den Schiffwegen.

Fast Fashion Wasserverschmutzung(Bild: CNN News, 2021) 

 

Schauen wir im Bereich der globalen Wasserverschmutzung etwas genauer hin. An weltweit zweiter Stelle steht mit 20% die Modeindustrie. Grund dafür sind unter anderem die Unmegen an toxischen Färbungsmitteln, die in ungenügend ausgerüsteten Fabriken eingesetzt werden und nach der Nutzung komplett ungefiltert in Flüsse und Seen gelangen. Wie in der Dokumentation The True Cost gesehen, wird dieses Problem neben unweigerlichen Umweltschäden auch in physischer Form am Menschen sichtbar. 

Warum ist Fast Fashion erfolgreich? 

Von den tiefen Preisen angezogen und überzeugt davon Teil des Trends sein zu müssen, werden die günstigen Slippers, Jeans und Co. gekauft. Einem Trend zu folgen und stets mit dem Neuesten vorne mit dabei zu sein, reflektiert für viele den Sinn von Mode und Zugehörigkeit. Davon lebt die Industrie. Das vor Kurzem gekaufte Kleid wurde selten bis gar nicht getragen und ist trotzdem schon wieder uninteressant. Der Preis war nicht wirklich hoch, weshalb noch Geld übrig ist, um eben ein neues in den Schrank zu holen. 


Getragen werden sie danach nur wenige Male oder zum Teil auch gar nicht und so landen 85% aller Textilien im Abfall. Angesichts dieser Zahl bekommt der Begriff “Wegwerfkleidung” ganz klare Dimensionen. 

Leider wirkt sich genau das Positiv auf die Konzerne aus. Neue Trends und Kollektionen werden in die Läden kommen und verkauft, worin sich der Zyklus wiederholt. 

 

Fast Fashion Landfills

(Bild: Fast Fashion and Landfills, Groundsure.com, 2021) 

Was können wir dagegen tun?

  1. In kleinen Schritten umdenken. Niemand verlangt von dir über Nacht Abstinenz von Fast Fashion. Versuche dir deinem Einfluss bewusst zu werden und dein Kaufverhalten bewusster zu steuern. 

  2. Sich sinnvolle Überlegungen machen, bevor man aus Frust oder zur Belohnung in einen beliebigen Laden spaziert und etwas kauft. Überlege dir, was du wirklich brauchst und wofür du dein Geld ausgeben möchtest. Du wirst länger Freude spüren und Zeit sparen.

  3. Qualität schätzen. fällt dir auch auf, wie schnell Fast Fashion kaputt geht? Der Stoff ist verglichen zu hochwertigen Stücken dünn und sitzt nicht sonderlich gut. Lenke deine Aufmerksamkeit vermehrt auf Qualität statt Quantität. 

  4. Investiere in deine bestehende Kleidung. Flicke sie oder bring die zu grosse Jeans für eine Abänderung zur lokalen Schneiderei. 

  5. Fortschritte feiern. Du hast ein neues Slow Fashion Stück, das dir Freude schenkt und du am liebsten jeden Tag tragen würdest? Super! Merk dir dieses tolle Gefühl für die nächste Kaufentscheidung, sie wird bestimmt schon einfacher sein :)